die Amputation


Die Amputation, eines der einschneidendsten Veränderungen eines Menschen.

Wenn es kein Unfall war, hat der Mensch meistens noch etliche Tage Zeit, sich auf diese Operation vorzubereiten.

Egal welches der Gliedmaßen und wie viel davon entfernt werden muss, man hatte immer gehofft, dass es noch einen anderen Ausweg gibt.
Ich habe etliche Tage vor der Amputation mit einem tief blauen und eiskalten Fuß zugebracht. Nur alle 8 Stunden konnte ich eine schmerzstillende Spritze bekommen, weil ihre Wirkung so stark sein sollte.

Auch wenn da unten schon alles tot war, so tat es ganz gewaltig weh. Ich hatte mir schon einen Wecker gestellt, damit ich die 3 Spritzen pro Tag bekam. – Nachts war dann das Stellen der Uhr einmal aufgeflogen und ich bekam dadurch eine krasse rote Karte. Zum Glück entschuldigte man sich bei mir. Denn ständig gab es Notfälle und auch der Hubschrauber kam immer wieder mit Schwerverletzten.

Im eigenen Zimmer habe ich am Wochenende einmal einen plötzlichen Notfall erlebt. Erst war nur eine Schwester bei dem Patienten. Und im “Sekundentakt” waren es dann 3 Schwestern und ein Arzt. Krasss, wie schnell ein Mensch in den OP kommen kann. … (Verplaudert – es gibt viele gute und schlechte Geschichten nach einem 1/4 Jahr auf ein und der selben Station).

Erst Monate später habe ich in der Fachzeitschrift Handicap gelesen, dass ich eines der wichtigsten Dinge VOR der Amputation VERGESSEN hatte!

Wenn ein Körperteil einem treu und brav Tag ein, Tag aus getragen hat, beim Fahrrad fahren aktiv war und beim Schwimmen voran gerieben hat – dann, ja DANN sollte man wenigstens mal in sich gehen. Mein Bein war 60 Jahre für mich da gewesen und hat für mich gearbeitet. Ich hab’s vergessen, ihm danke zu sagen!!!
(((NEIN, ich habe keine Meise oder bin nicht Gehirn geschädigt! Amputation ist mehr als nur ein Körperteil entfernt zu bekommen. Es ist eine riesen Portion Psychologie dabei. <— meine Worte dazu))).

Etwa 15 Kg wiegt ein ausgewachsenes Männerbein vom Fuß bis kurz hinter das Knie. Am 30.3.2017 habe ich meine definitiv Prothese erhalten. Komplett fertig gebaut, etwa 5 Kg schwer. Damit beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Das Laufen lernen mit immer weniger Gehhilfen. Nicht ganz so einfach bei den “Huckelpisten” von Gehwegen in Görlitz.

Die frisch amputierte Wunde geschützt mit einem langen Pflaster.
Es existiert ein Bild direkt von der Narbe.
Nur möchte ich nicht, dass sich irgend jemand übergeben muss, nur weil sie/er den Anblick nicht verarbeiten kann. Man braucht dafür hochgradig starke Nerven.

Ein Bild habe ich noch gefunden, welches ein Monat nach der Amputation erstand. Optisch, wie viele andere Narben.

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