Prothesenschaft


Prothesenschäfte, die ich bisher getragen habe

Der Prothesenschaft zählt zu den Komponenten, die ein Außenstehender am wenigsten sieht. Und einen Schaft einer Oberschenkel Prothese sieht man noch weniger.

Unterschenkel Prothesen, wer sie der Öffentlichkeit zeigt, zeigen will, der hat weit aus mehr Spielraum. Es gibt da in Hamburg ein Sanitätshaus Frank Purk GmbH (Frankpurk Orthopädietechnik & Design). Auf Kundenwunsch verwandelt er die Prothese zu einem Unikat, etwas einzig artigen. Die Technik der Prothese muss funktionieren – dann modelliert er wahre Meisterwerke, Kunstwerke (laut einem Video für einen privaten Aufpreis von bis zu 2.500 Euro)

Frank Purk, der Hamburger Orthopädie-Techniker ist aus meiner Sicht einsame Spitze! Deshalb mache ich auch gern Werbung mit 2 Videos über und zu seiner Arbeit:

Später, wen es um das Design eines definitiv Schaftes geht, mehr zu Frank Purk.

Wenn ein Mensch seinen Unterschenkel oder Oberschenkel seines Beines verliert oder Teile seines Armes, dann benötigt er eine Prothese. Mein Wissen und Erfahrung reicht, bezieht sich nur auf Beinprothesen.
Es gibt die verschiedensten Formen von Schäften:

(Vielleicht kann ich nach dem September 2018 mehr über den Milwaukee-Schaft berichten.)

Ich habe von Anfang an einen längsovalen M.A.S. Schaft: (ein kleiner Blick auf die Seite UniversitätsKlinikum Heidelberg – Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie)

Entwickelt wurde der M.A.S. Schaft (Marlo Anatomical Socket) von dem Mexikaner Marlo Ortiz mit dem Ziel, bestehende Mängel der herkömmlichen Prothesenschaftsysteme zum Beispiel den mangelnden Sitzkomfort, dass sichtbare Hinken und die abstehenden Prothesenränder zu verbessern. Die Form vereint die Vorzüge einer reinen Zweckform mit denen einer anatomisch indizierten Form, wie sie heute beim CAT-CAM-Schaft Standard ist.

Bei dem Schaft von Marlo Ortiz wird mittels einer aufwendigen Gipstechnik und viel Fingerspitzengefühl ein Gipsabdruck vom menschlichen Stumpf genommen. (Im laufe der Zeit gibt es auch weitere Techniken, um den Abdruck zu erhalten ohne Gips)

Einen Artikel aus der Fachzeitschrift Orthopädie-Technik 04.2007 habe ich noch gefunden, wo Herr R. Marlo Ortiz selbst fachspezifisch und mit orthopädischen Begriffen über die M.A.S.-Konstruktion für Oberschenkelprothesen schreibt.

Für Menschen sehr geeignet, die viel mehr zu und über den M.A.S. Schaft wissen möchten!!!

Im Internet habe ich bisher noch keinen Amputierten gefunden, wo man bildlich sehen kann, wie es aussieht, wenn ein OS Amputierter nur einen Liner stehend trägt. Oder wie solch ein eingegipster, im Gips steckender Stumpf aussieht.

Ich konnte einen Oberschenkel Amputierten für mich gewinnen, den ich fotografieren durfte und öffentlich auf meiner Webseite exclusiv abbilden darf.

Gut erkennt man das negative Problem aller Oberschenkel amputierten Menschen. Der adduktiv, leicht nach vorn stehende Stumpf. Durch das dem Amputierten das restliche Bein fehlt, aber der Adduktor, der Beugemuskel sehr stark ist, gibt es immer einen leicht nach vor stehenden Stumpf.

Eines der größten Aufgaben ist es für einen Amputierten, dass sein Stumpf im Liegen stehts auf der Liege, dem Bett aufliegt und nicht nach oben steht!!! Oder ohne Prothese der Stumpf mit Kraft nach hinten gedrückt wird.
Je weniger ein Stumpf nach vor steht, um so besser ist ein OT in der Lage, eine optisch gute Prothese zu fertigen.

Für Außenstehende sieht die gesamte “Geschichte” des Gips Verbandes eigenartig, eigenwillig aus.

Der/die Amputierte steht im Slip an einem Gehbock, damit er/sie eine Weile auf einem Bein stehen kann. Damit der Slip nicht/kaum schmutzig wird UND damit man den fertigen negativ Gipsabdruck des Stumpfes auch gut entfernen kann, wird der/die Amputierte in eine Damenstrumpfhose gesteckt. Und anschließend von der Hüfte bis zum gesamten Stumpf mit hauchdünner Frischhaltefolie eingewickelt.

Mit sehr viel Fingerspitzengefühl und Übung wird mit nassen Gipsbinden der/die Amputierte eingewickelt. Bestimmte Stellen, wo später das “Ohr” und die “Bank” dicht am Knochen sitzen müssen, werden geformt. Verschiedene Linien für die weitere Herstellung des späteren Schaftes werden angezeichnet.

Wenn der schnell trocknende Gips ausgehärtet ist, sieht das gesamte Gips Kunstwerk so aus:

Aus dem negativ Gipsabdruck muss der OT dann all’ die weiteren Schritte einleiten, um den fertigen Prothesenschaft herzustellen.

Es erfolgen dann zig kleine Veränderungen der Form. Auch hat der OT noch die Möglichkeit, den genauen Anschlusspunkt für den Rest der Prothese zu ermitteln.

—> Von dem negativen Gipsabdruck des Stumpfes fertigt der OT den positiv Gipsabdruck. Die Oberfläche noch geglättet … und dann erfolgt das Tiefziehen der ThermoLyn clear Thermoplaste.

Wie man sieht, ist es ein komplexer und aufwendiger Vorgang, bis ein Amputierter seine Prothese zum Laufen erhält.

Da nach einer Amputation der Stumpf geschwollen ist, sollte der/die Amputierte recht viel laufen, damit der Stumpf immer schlanker wird. Dazu habe ich auch diese Seiten geschrieben: Ödem, Lymphödem, Lymphdrainage Massage, postoperative Silikonhülle und Silikonliner Stumpf Kompression.

So ist es notwendig, dass der amputierte Mensch, mehrere Schäfte braucht, bis der Stumpf seine endgültige Größe und Form erreicht hat. Deshalb auch der Name Interimsprothese. Auch ich hatte mehrere einfach gehaltene Schäfte, mit denen ich aber auch sehr gut laufen konnte.

Mein 1. Schaft war dieser:

Bei meinem 2. Schaft – irgendwann brach unterwegs etwa 200 – 300 Meter von zu Hause entfernt, das “Ohr” der Prothese ab.

Vermutlich zu groß der Druck auf die Thermoplaste. Es war dann ein hässliches laufen.

Das Ganze sah so aus:

Am 19.2.2016 erhielt ich meinen 3. Schaft.

Dieser erhielt eine Karbonfolie “über gezogen” zur Stabilitätserhöhung. Da ich mit dieser Prothese zu meiner 1. Reha gefahren bin, musste sie etwas stabiler und sicherer sein. Um erhöhte Stumpfbelastungen abzufangen. Auch hatte man ein Sichtfenster eingefügt, damit Ärzte und Therapeuten den Liner und die mobile Dichtlippe für die Vakuumerzeugung sehen können.

So haben auch Sie einmal den Einblick, wie ein Vakuumaufbau bei einem Prothesenschaft aussieht.

Meinen 4. Schaft erhielt ich dann von meinem neuen, jetzigen Sanitätshaus Rosenkranz, zu dem ich in Absprache mit der Hilfsmittelabteilung der Krankenkasse wechselte.

Bisher hatte ich das mechanische Knie von Otto Bock 3R60 oder das EBS pro. Da es ein polyzentrisches Gelenk ist, mit 5 ringförmig angeordneten Achsen, brauchte ich für die Testversorgung für das C-Leg 4 einen neuen Schaft.

Die elektronischen Kniegelenke besitzen NUR eine Bewegungsachse im Gelenk. DESHALB muss orthopädietechnisch das elektronische Gelenk an einer etwas anderen Stelle am Schaft angebracht werden. Eine Testversorgung zum Probelaufen dauert 2 Wochen mit dem C-Leg 4.

Aber in der Zeit kann man keinen neuen Schaft bauen, weil ja der Amputierte in der Zeit mit dem neuen Testknie laufen soll!!! Also muss es vorher passieren. Man hat dazu ein älteres C-Leg 3 Kniegelenk benutzt.

Mit diesem 4. Schaft konnte ich dann die 2 Wochen Testversorgung mit dem C-Leg 4 laufen und später die eine Woche Testung mit dem Genium Kniegelenk.

Auch war ich einmal ein Proband für einen zukünftigen Orthopädietechnikermeister. Er brauchte zum Üben für den Gipsabdruck und der Schaftherstellung einen Amputierten.

So gibt es ein wunderschönes Bild, wie mein Schaft vom 2.2016 bis 8./9.2016 (etwa ein 1/2 Jahr) richtig schön abgenommen hatte. Es war ja auch die Zeit, wo ich täglich zur Arbeit gelaufen bin, zu Fuß. —> Es ist ein EINDEUTIGES ZEICHEN für frisch Oberschenkel Amputierte, dass viel und gute Bewegung den Stumpf schrumpfen lässt!

Von 12.2015 bis 02.2017 bin ich mit der Interimsprothese und dem “einfach” gefertigten Schaft aus ThermoLyn clear Thermoplaste gelaufen.

Ab 3.2017 wurde die definitive Prothese, der endgültige Schaft gebaut.
Es beginnt wie bei einem Interimsschaft aus ThermoLyn clear. Es wird geformt und verändert, bis man längere Zeit und größere Strecken ohne Probleme und Schmerzen laufen kann.

So sah dann dieser ThermoLyn clear Schaft aus (Was so bläulich leuchtet, ist eine Harzbinde, die außen um den Schaft gewickelt ist, um eine erhöhte Festigkeit zu erreichen.)

Um bei dem definitiven Schaft den ThermoLyn soft Schaft formen zu können, benötigt man wieder ein Negativmodell des Stumpfes.

Dieses Mal benutzt man den auf den Bild dargestellten super passenden Schaft. … er wird mit Gips gefüllt, um das positiv Schaftmodell zu erhalten. Um das positiv Modell aus dem ThermoLyn clear heraus zu bekommen, wird einseitig der Schaft aufgesägt. Nach der Modell Entfernung wird wieder der entstandene Spalt sauber geklebt, verschlossen.

Mit dem erhaltenen positiv Modell wird dann mit ThermoLyn soft (bei mir in weißer Farbe) wieder tiefgezogen.

A

Schön sieht man bei der endgültigen, weicheren Thermoplaste die “Bank”, das “Ohr” und den Platz für den Muskel Musculus adductor longus

Wenn dann das Außenteil des Schaftes fast fertig gestellt ist, hat der Amputierte die Wahl, sich die optische Außenfarbe, das Dekor auszusuchen, auszuwählen. Dieses Recht hat jeder Amputierte. NUR sollte sich jeder RECHTZEITIG darüber Gedanken machen!!!

Die Sanitätshäuser haben da sicher ein paar optische Vorlagen.

Aber wer es extremer möchte, der kann sich auch an die Frank Purk GmbH wenden. Unter der Kategorieübersicht findet man dann in meinem Fall Dekostümpfe für Prothesen. Ich hatte mir das Dekordesign “Feuer” ausgesucht. Optisch sieht es bei der Frank Purk GmbH so aus:

Leider war die Grundfarbe des Außenschaftes, wo das Dekor drauf musste, bei mir schwarz. So hatte mein Schaft nicht diese leuchtenden Farben! Niemanden gebe ich dafür die Schuld. Nur sollte man sich mit seinem OT unterhalten, damit solche Situationen sich nicht wiederholen!

Der Schaft hatte schon über 1.000.000 Prothesenschritte hinter sich und ist 1  1/3 Jahr alt. Ein Schaft ist ein Nutzgegenstand und so sieht er schon etwas verfärbt, benutzt aus.

Meine jetzige definitive Prothese sah einmal so aus, mit einem noch nicht wasserfesten Drehadapter. Aber ich wollte ja die Prothese und das Knie voll nutzen.

Und so wurde dieser Drehadapter entfernt und ersetzt mit einem Edelstahl Reduzierstück.

Der wasserfeste Drehadapter für das Genium X3 Kniegelenk hat Otto Bock auf der OTWorld (Fachmesse in Leipzig) vom 15.05 bis 18.05.2018 vorgestellt. In den Handel soll er erst im Herbst 2018 kommen.

Ich freue mich schon wie Bolle oder wahnsinnig darauf. —> Endlich Hose und Schuh wechseln ohne die Prothese auszuziehen. Oder ohne fremde Hilfe! —> Ein weiterer Schritt in die Selbstständigkeit!!!

Damit endet diese Schaftseite.

Vielleicht gibt es neue Texte und Bilder (wenn ich sie veröffentlichen darf) über den Milwaukee-Schaft. Denn im September 2018 fahre ich als Proband mit meinem OT 3 Tage nach Magdeburg zur Firma Guenther Bionics® GmbH. Da werden Mitarbeiter des Sanitätshauses Rosenkranz geschult für den Milwaukee-Schaft.

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